In der Blauen Moschee in Tabriz, Iran

Welcome to Iran

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Iran

Wir treiben jetzt mal allen deutschen Dieselfahrern die Tränen in die Augen. Falls nach dem Dieselskandal überhaupt noch Platz für weitere Tränen sein sollte. Was kostet der Liter Diesel aktuell in Deutschland? Um die 1,30 €? Für diesen Betrag erhalten wir hier rund 30 Liter. Ergibt einen Preis von knapp über vier Cent je Liter, weniger als ein Liter Mineralwasser im Supermarkt. Und das ist der Touristenpreis, der doppelt so hoch ist wie der Einheimischenpreis. Allerdings muss erwähnt werden, dass diese für uns sehr angenehme Rechnung zu Lasten der lokalen Bevölkerung geht. Ein Großteil rührt vom starken Wertverlust der iranischen Währung her. Aus diesem Grund ist fast alles für uns Ausländer momentan extrem günstig, während sich die Iraner immer weniger leisten können und viele ihre Arbeit verlieren.

Tankstellenpreise Iran

Bisher haben wir übrigens, wenn man den Aussagen der Tankwarte glauben darf, zweimal Euro 4 und einmal Euro 5 Diesel getankt. Mit etwas Glück ist die Situation was den Schwefelgehalt betrifft also gar nicht so dramatisch wie zuvor gedacht. Einige wenige Tankstellen werben sogar mit der angebotenen Qualität.

Der Empfang im Land ist hingegen wie erwartet. Der Grenzübergang läuft völlig reibungslos und glatt. Sie wissen genau, was mit dem Carnet zu tun ist, alles geht seinen Gang. Die Fahrzeugkontrolle sieht so aus, dass wir hinten kurz öffnen, mehrfach gefragt werden, ob wir Alkohol dabei hätten, verneinen und nach insgesamt nur eineinhalb Stunden durch sind und weiterfahren können.

Direkt im ersten Dorf hinter der Grenze fährt auf einmal ein grüner Kleinbus neben uns her. Die Großfamilie im Inneren gestikuliert wild winkend und freudig strahlend. Wir halten an, sie springen heraus, begrüßen uns, empfehlen uns Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, laden uns zum Essen zu sich nach Hause ein – es gäbe Fisch. Wir schlagen die Einladung aus, möchten stattdessen unser Ziel Tabriz noch erreichen. Die Höllenstrafe des iranische Stadtverkehrs, die dafür überstanden werden muss, liegt mir noch sehr im Magen. Um es kurz zu machen, wir sind ohne Schrammen rein- und wieder rausgekommen. Aus Tabriz. Es liegen natürlich noch diverse Städte vor uns, aber es stellt sich eine gewisse Gewöhnung ein und man lernt die unvorhersehbaren Attacken der anderen Fahrer im Voraus zu erahnen. Es ist ein ungeklärtes Paradoxon. Außerhalb ihres Fahrzeugs sind die Iraner die liebsten und nettesten Menschen, die man sich nur vorstellen kann, aber sobald sie am Steuer sitzen verwandeln sich ausnahmslos alle in wilde Bestien, die nur ein einziges Ziel haben: ohne Rücksicht auf Verluste immer und überall ganz vorne und der erste zu sein. Da jeder dieses Ziel hat, kann man sich die Konsequenzen leicht ausmalen.

Konzentrieren wir uns also lieber auf die Erlebnisse außerhalb des Straßenverkehrs. In Tabriz tauschen wir Geld, besorgen eine iranische SIM Karte, lassen das Öl wechseln und das Fahrzeug abschmieren. Es gibt stadtnah einen Park mit Duschen, in dem wir kostenfrei im Auto übernachten können. Eines Abends parkt ein 18 Jahre alter Jeep neben uns, wir kommen sofort mit dem Fahrer ins Gespräch und er lädt uns zur Probe des Tabriz Philharmonic Orchestra ein, in dem er Klarinette spielt. Wir folgen ihm ins Nachbargebäude und der Abend wird dank des Dirigenten ein Highlight! Es gelingt ihm, deutlicher und klarer seine Vorstellung zu vermitteln als allen Dirigenten, die ich in meiner Zeit als Toningenieur erlebt habe. Durch Vorsingen und teilweise sehr witziges Nachahmen der Darbietungen der Musiker bekommt der Abend eine völlig unerwartete Komik.

Nachdem wir in Tabriz noch immer im Schnee campieren wird es Zeit, schnell in den Süden zu fahren. Langsam zermürbt die Kälte, die wir ja schon im letzten Blogpost aus Doğubeyazıt erwähnt hatten. Interessant ist der Temperatursprung, den wir dann auf dem Weg nach Süden zwischen Hamedan und Shush erleben. Innerhalb eines Tages, an dem wir etwa 500 km zurücklegen und dabei eine Gebirgskette überqueren, springen die Durchschnittstemperaturen um rund 15 Grad in die Höhe. Und alles ist wieder gut. Außer vielleicht, dass Daggi nun unter ihrem Kopftuch flucht, weil es untertags zu warm wird.

In Shush übernachten wir an einem Fluss, der ein beliebter Picknickplatz ist. Nachts sind wir vollkommen alleine. Der nächste Tag ist ein Freitag, also haben alle frei und gehen picknicken. Die Iraner sind die größten Picknicker der Welt. Es gibt kein Fleckchen, welches nicht von mindestens 20-köpfigen Großfamilien okkupiert wird, sie haben Unmengen an Essen dabei und einen Riesenspaß alle zusammen. Mindestens jeder zweite begrüßt uns und jeder dritte lädt uns auf seine Picknickdecke ein. Eine Familie kommt sogar zurück und bringt uns eine Schale mit Bohnensuppe als wir gerade unseren Frühstückskaffee aufbrühen. Bei einer so liebevoll vorgetragenen Einladung können wir dann nicht mehr nein sagen und verbringen den Nachmittag mit ihnen. Wir erleben eine Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die ihres gleichen sucht. Jetzt sind wir im Iran angekommen!

Außenansicht der Blauen Moschee Tabriz, Iran
Bogengang bei der Blauen Moschee in Tabriz, Iran
Gang im Basar von Tabriz, Iran
Bäcker in Soltaniyeh, Iran
Bäcker in Soltaniyeh, Iran
Mausoleum des Öldjeitü, Soltaniyeh, Iran
Bogengang im Mausoleum des Öldjeitü, Soltaniyeh, Iran
Tropfsteinhöhle Kataleh Khor, Iran
Tropfsteinhöhle Kataleh Khor, Iran
Picknick mit iranischer Familie
Picknick mit iranischer Familie
Picknick mit iranischer Familie
Picknick mit iranischer Familie
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1 Kommentar

  1. Ingrid und Herbert

    Hallo, Ihr 2!

    Wir sind ganz begeistert, dass es Euch im Iran gut geht und Ihr wie beim ersten Besuch dieses Landes eine umwerfende Gastfreundschaft erlebt. Die Picknickfotos sind einfach köstlich und alle anderen wie immer sehenswert und interessant, ganz toll die Tropfsteinhöhle (anders als in Eurem Auto).
    Wir wünschen weiterhin gute Fahrt und ein wachsames Auge auf alle Iraner hinter dem Steuer.

    Herzlich
    Mam und Herbert

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