Yaks auf grüner Bergwiese in Kirgistan

Durchs wilde Kirgistan

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Kirgistan

Halt, das war ja Kurdistan. Und da sind wir schon durch. Aber immerhin die Pferde passen. Auch wenn im Bild oben Yaks zu sehen sind. Die finden wir schmucker als Pferde. Kaum überqueren wir die Grenze von Tadschikistan nach Kirgistan, sind die Pferde auf jedem grünen Hang zu sehen. Zwar nicht wild, sondern domestiziert als Lieferant der hier allseits beliebten (manchmal vergorenen) Stutenmilch. Zumindest die vergorene Variante schmeckt zum Davonlaufen. Wir haben selten Schrecklicheres probiert.

Touristenjagd

Wer aber wild ist, hier in Kirgistan und auch im Nachbarland Kasachstan, sind die Polizisten. Auf der gesamten Reise bisher wurden wir als Touristen gehegt und gepflegt und beschützt. Niemand wollte uns etwas Böses. Das ändert sich nun schlagartig. Vergessen das Licht einzuschalten, was auch untertags Pflicht ist, und schon werden wir rausgewunken. Unser Freund und Helfer verlangt 13.000 kirgisische Som, was einem Gegenwert von über 165 € entspricht – fast ein Monatslohn im Land. Nach einer etwa halbstündigen Diskussion einigen wir uns auf 3.000 Som, immer noch rund 40 € und viel zu viel. Der Touristenbonus gilt hier ausschließlich dem privaten Geldbeutel der Ordnungshüter.

In Kasachstan wird es dann für Autoreisende meist noch teurer. In einer vergleichbaren Situation (durchgezogene Linie in der Stadt, wo wegen des starken Verkehrs keine andere Wahl blieb, überfahren) wird mit Führerscheinentzug für ein halbes Jahr, Beschlagnahmung des Autos und ähnlich schwerem Geschütz gedroht, bis ein Preis von 300 Euro aufgerufen wird. Dieses Mal sind wir deutlich besser, sprechen keine einzige andere Sprache als deutsch, geben dem Mann in Uniform nur laminierte Kopien von Führerschein und Fahrzeugschein und schinden auf diese Weise viel Zeit, was unser Gegenüber langsam etwas mürbe macht. Als ich dann anfange ein Video auf dem Handy aufzuzeichnen und Daggi gleichzeitig mit der deutschen Botschaft telefoniert, geht der Preis schlagartig auf 15.000 kasachische Tenge runter, circa 35 Euro. Damit können und müssen wir leben und dürfen weiterfahren.

Häufig hört man auch von völlig fadenscheinigen Vorwänden, die sich die Polizisten einfallen lassen, um an das Geld der Touristen heranzukommen. Dachzelt auf dem Auto – das ist verboten (besonders amüsant, wenn man dann sieht womit die Einheimischen alles auf dem Autodach fahren). Sie sind Deutscher? Dann haben Sie bestimmt Alkohol getrunken – bitte einmal blasen. Das Gerät zeigt irgendetwas an, was immer Anlass zu einer Strafzahlung geben wird. Und ähnliche Geschichten. Beide Länder haben starke Ambitionen, den Tourismus als wichtige Einnahmequelle zu etablieren. Wenn sich an der Touristenjagd durch Polizisten nicht etwas ändert, werden diese Pläne sicher nicht aufgehen. Hier macht es uns jedenfalls keine Freude mehr, hinter dem Steuer zu sitzen und wir werden sicherlich keine großen Umwege fahren. In Russland und der Mongolei soll es wohl wieder normal zugehen.

Neue alte Reisefreunde

Gut, dass wir in Kirgistan Verstärkung bekommen. Unsere lieben Freunde Astrid und Lolly, die wir im Mai 2010 auf der Segelfahrt von Kolumbien nach Panama kennengelernt haben, schließen sich uns für zwei Wochen an. Ihr bevorzugtes Reisemittel ist eigentlich ihr Motorrad, eine Triumph Tiger mit Beiwagen. Für diesen Kurztrip entscheiden sich die beiden für einen Suzuki Vitara Mietwagen, der zwar klingt, als würde er aus dem letzten Loch pfeifen, die Tour aber gut durchhält.

Mietwagen in Kirgistan
Astrid und Lolly im Mietwagen in Kirgistan
Astrid mit kirgisischem Pferd
Camping am Yssykköl, Kirgistan
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Gemeinsam geht es also durch die fantastische Bergwelt Kirgistans, zum Glück ohne weitere Belästigungen von Seiten der Obrigkeit. Wir genießen die Strecken entlang der Seen Songköl und Yssykköl, übrigens nach dem Titicacasee der zweitgrößte Gebirgssee der Welt. Dabei befinden wir uns fast durchgängig auf Höhen zwischen 2000 und 3500 Meter über dem Meeresspiegel. Immer wieder Kurven hoch und Kurven runter, dazwischen Schafe, Pferde, Ziegen, saftige Bergblumenwiesen und traumhafte Panoramen. Danke, Astrid, danke, Lolly für die wirklich schöne gemeinsame Zeit, leckeren Käse aus Deutschland und den Pferdeausritt, von dem uns noch immer der Hintern wehtut!! Nach der Bildstrecke erwarten Euch etwas weniger idyllische Stadteindrücke aus Kirgistan..

Sovjetisches Erbe

Die Stadtbilder sind häufig geprägt durch Bauten, die während der Sovjetzeit entstanden sind. Und auch mitten in der Natur finden sich unvermittelt monumentale oder zumindest klobige Ungetüme von Denkmälern.

Sowjetische Architektur in Bischkek, Kirgistan
Hinterhof in Bischkek, Kirgistan
Sovjet-Denkmal in Kirgistan
Sovjet-Denkmal in Kirgistan
Sovjet-Denkmal in Kirgistan
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Am Schönsten sind aber die ehemals sovjetischen Vergnügungsparks, vermutlich aus den sechziger Jahren, marode, am Zerfallen, noch (fast) voll im Betrieb und bei den Einheimischen sehr beliebt. Manche sind mit mehr, manche mit etwas weniger Begeisterung bei der Sache.

2 Kommentare

  1. Schade, dass Euch die Lust genommen wurde, Land und Leute noch weiter zu erkunden. Die Gegend ist ja einmalig und natürlich auch von einem großartigen Fotografen hervorragend eingefangen. Und die Bilder von den sovjetisch verschandelten Städten sind auch sehr interessant. Auf jeden Fall wünsche ich Euch auf den kommenden Stationen Eurer Reise wieder freundlich gesinnte Polizisten und viel Spaß beim Rumreisen.

    • Ist nicht so schlimm, wie es im Blogbeitrag vielleicht klingt! Wir haben von Kirgistan ja viel gesehen. Und Kasachstan ist so riesig, dass wir sowieso keine großen Abstecher machen können, wenn wir noch dieses Jahr in die Mongolei möchten. Die Sehenswürdigkeiten, die auf dem Weg liegen, werden wir uns natürlich ansehen.
      Die Sovjetbauten in den Städten üben übrigens (zumindest auf uns und besonders auf den Fotografen in mir) eine ganz eigene Faszination aus. Man kann ihnen eine gewisse – wenn auch kaputte, runtergekommene, monumentale oder alles zusammen – Ästhetik nicht abschreiben. Ich mag die Städte!

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